Maschinenraum

3 England – das Handelsgut

Ab der Mitte des 5. Jahrhunderts siedelten sich zwei germanische Stämme, die Sachsen und die Angeln, in England an und verdrängten die Kelten nach Wales, Cornwall und in die Bretagne. Diesen Völkern war die römische Kultur und die lateinische Sprache fremd. Zwar führten die christlichen Missionare das Lateinische in die bekehrten Regionen ein, es konnte jedoch nicht zur offiziellen Sprache wie auf dem Kontinent werden. Der Klerus lehrte das Lesen und Schreiben in angelsächsischer Sprache. Auch die Sammlungen von Gewohnheitsrechten und Gesetze wurden in Angelsächsisch abgefasst, während auf dem Kontinent die Sprache der Juristen ausschließlich Latein war. Nachdem die Normannen im 11. Jahrhundert das Land eroberten, wurde am Hofe französisch gesprochen, während die Bevölkerung beim Angelsächsischen blieb (auch wenn es zu Verschmelzungen kam).1) Normannisch-französische Überlagerung bestimmte die Politik und Kultur des englischen Hochmittelalters, bis im Hundertjährigen Krieg die Normannen den Großteil ihre Güter in Frankreich verloren und das erwachende Nationalbewusstsein das Englische zur allgemeinen Sprache führte.2)

Das Vereinigte Königreich entstand aus mehreren einzelnen Reichen. Wales war seit 1536 Teil des Englischen Königreichs, 1707 vereinigten sich das aufgrund von Kolonialabenteuern insolvente Schottland und England zum Königreich Großbritannien, und 1801 entstand das Königreich Großbritannien und Irland.

Untergang der Armada

Während des Mittelalters lag England noch fernab von den Zentren des Handels. Mit der Entdeckung Amerikas und der Seerouten in den Indischen Ozean verbesserte sich die geographische Ausgangslage für den Fernhandel entscheidend.

Der Aufstieg Englands ab dem 16. Jahrhundert von einem unbedeutenden, Wolle und Tuch exportierenden Kleinstaat zur modernen europäischen Großmacht erfolgte trotz seiner Herrscher, die etwa durch die Magna Charta, das Common Law, das House of Lords und das House of Commons immer wieder an einer vollkommenen Machtentfaltung gehindert wurden.3) Die Krone war spätestens seit dem Aufstieg des Hauses Stuart auf den englischen Thron 1603 geschwächt.

Das Parlament (Ober- und Unterhaus) gewann an Macht und Befugnissen. Regierte der König ohne die Kammern, bedeutete dies erheblichen Schwierigkeiten für den König. Karl I., ab 1625 König von England, König von Schottland und König von Irland,4) bekam dies 1628 zu spüren und wurde nach seinem zweiten Versuch hingerichtet (1649). Die Streitigkeiten zwischen dem Parlament und der Krone führten nach dem Englischen Bürgerkrieg 1642 bis 1649 zur Abschaffung der Krone und auch des Oberhauses. Beide wurden aber nach dem Tode des Puritaners Oliver Cromwell († 1658) wieder eingeführt. Jakob II. wurde als letzter römisch-katholischer König im Verlauf der Glorreichen Revolution 1688 abgesetzt.5) Er war ein katholisches Oberhaupt der anglikanischen Kirche. Jakob II. folgten seine protestantische Tochter Maria II. sowie deren Ehemann Wilhelm III. von Oranien, nicht Jakobs II. römisch-katholischer Sohn James Francis Edward.

England, durch den Kanal von den Streitigkeiten auf dem Kontinent getrennt, kann zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts neben den Vereinigten Niederlanden6) als der fortschrittlichste Staat in Europa bezeichnet werden. Am Ende des Jahrhunderts war Großbritannien die führende Wirtschaftsmacht in der Welt.

Eckhard Höffner 2017/10/05 15:00

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Fortsetzung


1)
Pirenne S.~238 f., 243–245.
2)
Wührer S.~946.
3)
Mandrou S.~15.
4)
Der Umstand, dass die gleiche Person in mehreren Ländern König war, bedeutete weder eine Einheitlichkeit des Rechts noch der Religion.
5)
Sein Vorgänger Karl II. trat 1685 auf dem Sterbebett zum römisch-katholischen Glauben über und starb ohne eheliche Nachkommen.
6)
Die Vereinigten Niederlande werden auch als Holland bezeichnet. Es waren sieben kleine Staaten (Holland, Zeeland, Utrecht, Gelderland, Overijssel, Groningen und Friesland), die sich 1579 – zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges (von Spanien) – in der Utrechter Union zusammengeschlossen hatten. Die Anerkennung als eigener Staat erfolgte zeitgleich mit dem Westfälischen Frieden 1648.

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