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 Vom achten Jahrhundert ab lebte Westeuropa dreihundert Jahre von überseeischen Ländern isoliert. Politische Institutionen verfielen, und damit auch die Städte. Ein fast vollkommener Stillstand von Handel und Gewerbe war die Folge.((Pirenne S.~86.)) Venedig und Unteritalien unterhielten aber weiterhin Handelsbeziehungen zu Konstantinopel.((Pirenne S.~191--193.))  ​ Vom achten Jahrhundert ab lebte Westeuropa dreihundert Jahre von überseeischen Ländern isoliert. Politische Institutionen verfielen, und damit auch die Städte. Ein fast vollkommener Stillstand von Handel und Gewerbe war die Folge.((Pirenne S.~86.)) Venedig und Unteritalien unterhielten aber weiterhin Handelsbeziehungen zu Konstantinopel.((Pirenne S.~191--193.))  ​
  
-Ab dem zehnten Jahrhundert verbreitete sich das als cluniazensische Reform bezeichnete Mönchstum in Europa, das das weltliche Element der Kirche abschüttelte. Das monastische Ordenswesen entzog die Klöster zum Teil der Aufsicht der eher weltlich orientierten Bischöfe. Wo die Mönche über die Klöster hinaus wirkten, wuchs die Frömmigkeit,​ die Andacht, die Achtung des Ritus der Kirche und der christlichen Feiertage. Die Kirche als Stellvertreterin Christi auf Erden wurde als die mystische Quelle der Gnade und des Heils angesehen. Außergewöhnliche Geschehnisse wurden mit Mirakeln, wunderbaren Heilungen und anderen religiösen Erscheinungen in Verbindung gebracht.((Pirenne S.~158--162;​ Schieffer S.~1054--1059.)) 1059 wurde die Papstwahl von Papst Nikolaus II auf ein Kardinalskollegium übertragen und somit den weltlichen Fürsten entzogen, die im 10. und zu Beginn des 11. Jahrhunderts – je nachdem, wer gerade die stärkste Militärmacht in Rom hatte – die Päpste ernannt oder abgesetzt hatten. Papst Gregor VII. verdammte im Jahr 1075 jede Investitur durch eine weltliche Institution. ​  +Ab dem zehnten Jahrhundert verbreitete sich das als cluniazensische Reform bezeichnete Mönchstum in Europa, das das weltliche Element der Kirche abschüttelte. Das monastische Ordenswesen entzog die Klöster zum Teil der Aufsicht der eher weltlich orientierten Bischöfe. Wo die Mönche über die Klöster hinaus wirkten, wuchs die Frömmigkeit,​ die Andacht, die Achtung des Ritus der Kirche und der christlichen Feiertage. Die Kirche als Stellvertreterin Christi auf Erden wurde als die mystische Quelle der Gnade und des Heils angesehen. Außergewöhnliche Geschehnisse wurden mit Mirakeln, wunderbaren Heilungen und anderen religiösen Erscheinungen in Verbindung gebracht.((Pirenne S.~158--162;​ Schieffer S.~1054--1059.)) 1059 wurde die Papstwahl von Papst Nikolaus II auf ein Kardinalskollegium übertragen und somit den weltlichen Fürsten entzogen, die im 10. und zu Beginn des 11. Jahrhunderts – je nachdem, wer gerade die stärkste Militärmacht in Rom hatte – die Päpste ernannt oder abgesetzt hatten. Papst Gregor VII. verdammte im Jahr 1075 jede Investitur durch eine weltliche Institution. ​
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-In vielen Regionen Europas wurde der Mensch nicht als denkendes und Eigenes schaffendes Wesen verstanden; es gab sogar eine Furcht vor dem Eigenen.((Bappert S.~63 f.)) Der Herr ist der Schöpfer, der die schöpferische Leistung erbringt, nicht der Mensch. Selbst bei den größten Geistlichen jener Zeit herrschte ein gewisser Fanatismus vor, der jegliche weltliche Gelehrsamkeit als verworfen ansah. Schließlich war das Essen der verbotenen Früchte des Baums der Erkenntnis Grund für die Vertreibung aus dem Paradies und Beginn der Unheilsgeschichte der Menschheit. Autoren eigenständiger Werke gab es praktisch nicht. Die wenigen Autoren schrieben, im Gegensatz zur weltlichen Renaissance des späten Mittelalters,​ ausschließlich zum Ruhm Gottes. Gelehrsamkeit,​ in den allegorischen Darstellungen des Mittelalters durch Bücher, Lesepulte oder Schreibzeug dargestellt,​ wurde begleitet von Attributen göttlicher Eingebungen (Engel, Tauben als Sinnbild für den Heiligen Geist oder himmlische Strahlen).((Für die klassischen griechischen Philosophen galt hingegen die eigene Erkenntnis als wichtiges Gut (»höchste Lust«), vgl. Aristoteles S.~341, Zi. 2.)) Die Menschen lebten in einem gottgeschaffenen Mysterium, in dem man Wissen nicht um des Wissens willen sammelte, sondern für das Seelenheil.  +
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 <​figcaption class="​captiontext">​Aus Bamberger Apokalypse (4v), Reichenau ca. 1010 (Bamberger Staatsbibliothek)</​figcaption></​figure>​ <​figcaption class="​captiontext">​Aus Bamberger Apokalypse (4v), Reichenau ca. 1010 (Bamberger Staatsbibliothek)</​figcaption></​figure>​
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 +In vielen Regionen Europas wurde der Mensch nicht als denkendes und Eigenes schaffendes Wesen verstanden; es gab sogar eine Furcht vor dem Eigenen.((Bappert S.~63 f.)) Der Herr ist der Schöpfer, der die schöpferische Leistung erbringt, nicht der Mensch. Selbst bei den größten Geistlichen jener Zeit herrschte ein gewisser Fanatismus vor, der jegliche weltliche Gelehrsamkeit als verworfen ansah. Schließlich war das Essen der verbotenen Früchte des Baums der Erkenntnis Grund für die Vertreibung aus dem Paradies und Beginn der Unheilsgeschichte der Menschheit. Autoren eigenständiger Werke gab es praktisch nicht. Die wenigen Autoren schrieben, im Gegensatz zur weltlichen Renaissance des späten Mittelalters,​ ausschließlich zum Ruhm Gottes. Gelehrsamkeit,​ in den allegorischen Darstellungen des Mittelalters durch Bücher, Lesepulte oder Schreibzeug dargestellt,​ wurde begleitet von Attributen göttlicher Eingebungen (Engel, Tauben als Sinnbild für den Heiligen Geist oder himmlische Strahlen).((Für die klassischen griechischen Philosophen galt hingegen die eigene Erkenntnis als wichtiges Gut (»höchste Lust«), vgl. Aristoteles S.~341, Zi. 2.)) Die Menschen lebten in einem gottgeschaffenen Mysterium, in dem man Wissen nicht um des Wissens willen sammelte, sondern für das Seelenheil. ​
  
  

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